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Warum 3 Großmütter, 3 Großväter, eine Mutter, ein Vater, ein Stiefvater, eine Frau vom Stiefvater und 7 Geschwister keine große Familie sind



Die Ilse ist weg

 

Herausgegeben vom Goethe-Institut München

 

Zu diesem Jugendbuch gibt es einen Didaktisierungsvorschlag von Swantje Ehlers, der über die Goethe-Institute erhältlich ist.

 

Umschlag und Illustrationen: Linda Lorna

Redaktion: Hedwig Miesslinger

 

Zuerst erschienen unter dem Titel Ilse Jаndа,

14 im Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 1974.

1974 by Friedrich Oetinger, Hamburg.

Druck: 5. 4. 3. Auflage: 95 94 93

© 1991 Langenscheidt KG, Berlin und München Druck: Druckhaus Langenscheidt KG., Berlin Printed in Germany.

ISBN 3-468-49720-2

 

Christine Nöstlinger ist eine der bekanntesten und beliebtesten deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen.

Sie wurde 1936 in Wien geboren, studierte nach dem Abitur Grafik, arbeitete dann für Tageszeitungen und den Österreichischen Rundfunk. Sie ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Seit 1970 schreibt sie auch Kinder- und Jugendbücher, und viele Bücher erhielten Preise. Neben phantastischen Romanen (Wir pfeifen auf den Gurkenkönig) schreibt sie auch psychologisch-realistische (Die Ilse ist weg, Stundenplan) und zeitgeschichtliche (Maikäfer fliegt). Von den meisten deutschsprachigen Autorinnen und Autoren unterscheidet sich Christine Nöstlinger durch ihren Humor. Mit ihren Büchern möchte sie den Lesern Spaß machen.

 

Foto: Alexa Gelberg, Weinheim


Inhaltsverzeichnis

1. Warum 3 Großmütter, 3 Großväter, eine Mutter, ein Vater, ein Stiefvater, eine Frau vom Stiefvater und 7 Geschwister keine große Familie sind- 1

2. Wie die Ilse aussieht und wie die Ilse früher gewesen ist 3

3. Ein Meerschweinchen, eine ekelhafte Schwester und Ohrfeigen- 4

4. Die Amrei, ein Theaterbesuch und wieder Ohrfeigen- 7

5. Kein Frühstück und Scherben im Bad- 8

6. Viel Hausarbeit und ein goldenes Herz an einer Kette- 9

7. Lieber tot sein als hierbleiben- 11

8. Der Reisepaß ist weg, und das Sparbuch ist leer 14

9. Die Mama kann keine Eier braten, und der Kurt wird bleich- 15

10. Die Amtsrätin zieht ein, und auf der Post ist kein Brief 16

11. Die Amrei geht in die Tanzschule, und mir wird übel 18

12. Einer stottert, einer sieht schlecht, und einer lügt 19

13. Herbert, Nikolaus und Alibaba- 20

14. Eine goldene Gans und fünfzig Meerschweinchen- 23

15. Zwei Ohrfeigen, viel Geheul und ein Karpfen- 26

16. Zwei Frauen ersthrecken über den Aliba-ba, und der Aliba-ba erschrickt über diese zwei Frauen nicht minder 30



17. Eine Karte aus Florenz und keine Münze zum Telefonieren- 32

18. Meine Oma, deine Oma, unsere Oma... 37

19. Die Oma sagt ihre Meinung, und mir brummt der Schädel 40

20. Grießbrei und Lob- 42

21. Violetter Nagellack und eine Hauptrolle in einem Film-- 44

Lesen in einer Fremdsprache: Wie man die Hürden überwinden kann- 1

 

 


Warum 3 Großmütter, 3 Großväter, eine Mutter, ein Vater, ein Stiefvater, eine Frau vom Stiefvater und 7 Geschwister keine große Familie sind

 

Ich werde die Geschichte aufschreiben. Obwohl ich nicht weiß, wo ihr Anfang ist. Ich weiß nur, wie ihr Ende sein wird. Das Ende ist, daß Ilse weg ist.

Ilse ist meine Schwester. Sie ist weg, und ich will nicht, daß sie wiederkommt. Wenn sie wiederkommt, muß sie in ein Internat. Ich bleibe dabei, daß ich gar nichts weiß!

Mama, sie hat den roten Mantel angezogen und hat gesagt, sie muß sich ein liniertes Heft kaufen. Das ist alles, was ich weiß, Mama! Mehr weiß ich wirklich nicht, Kurt! Das mußt du mir glauben, Papa!

 

"Wir sind eben eine große Familie! Und das hat auch Vorteile!" sagt Mama manchmal zu mir. Und als "große Familie" zu bezeichnen ist ein schlechter Witz. Aber Vorteile hat es manchmal wirklich. Zum Geburtstag zum Beispiel: Da bekomme ich von drei Großmüttern, drei Großvätern, meiner Mutter, einem Vater, einem Stiefvater, einer Frau vom Vater, einer Frau vom Stiefvater und von sechs Geschwistern Geschenke.

 

Das hört sich kompliziert an, ist aber ziemlich einfach. Meine Mutter hat meinen Vater geheiratet und mit ihm zwei Kinder bekommen. Die Ilse und mich. Dann haben sie sich scheiden lassen, und mein Vater hat eine andere Frau geheiratet, mit der hat er wieder zwei Kinder bekommen. Die Mama hat dann den Kurt geheiratet und auch noch zwei Kinder bekommen Und der Kurt war vorher schon einmal verheiratet. Und aus dieser Ehe gibt es auch ein Kind.

Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als die Ilse acht Jahre alt war und ich sechs. Angeblich haben sie sich nicht mehr gut verstanden.

 

Nach der Scheidung wohnten die Ilse und ich zuerst bei den Eltern vom Papa. Der Papa behielt unsere alte Wohnung. Und die Mama zog zu ihren Eltern. Am Samstag und am Sonntag kam sie uns besuchen. Unter der Woche hatte sie keine Zeit für uns. Sie war damals Sekretärin bei einer Zeitung und mußte viele Überstunden machen. In der Zeitungsredaktion lernte sie den Kurt kennen. Der war dort Redakteur. Zwei Jahre später hat sie ihn geheiratet. Und die Ilse und ich sind von der Oma weg zum Kurt gezogen. Dann hat die Mama den Oliver und die Tatjana bekommen. Die Tatjana und der Oliver sagen zum Kurt "Papa". Die Ilse und ich sagen "Kurt" zu ihm. Ich habe gern bei der Oma und beim Opa gewohnt. Jetzt würde ich nicht mehr so gern bei ihnen sein. Der Opa ist nämlich sehr schwerhörig und sehr verkalkt geworden. Er redet so komisch! Immer murmelt er vor sich hin. Bei meinem letzten Besuch hat er mich gefragt, wie ich heiße und wer ich bin.

"Das ist doch die Erika!" hat die Oma gebrüllt.

"Aha, ja, ja, die Erika", hat der Opa darauf gesagt: Doch zwei Minuten später hat er

wieder gefragt: "Wer ist denn das Mädchen? Wie heißt denn das Mädchen?"

Ich gehe jeden Donnerstag nach der Schule zur Oma und zum Opa. Früher ging die Ilse mit mir. Aber seit der Opa so komisch und verkalkt ist, drückt sie sich um die Oma-Opa- Besuche. Außerdem stinkt es so bei der Oma, hat sie gesagt. Nach Sauerkraut und Bratkartoffeln. Das stimmt. Aber ich habe nichts gegen diesen Geruch.

"Die Eltern von meinem Ex-Mann leben entsetzlich!" hat die Mama einmal zu einem Besuch gesagt. Und dann hat sie erzählt, wie es in der Küche und im Zimmer von der Oma und vom Opa aussieht. Daß sie nicht einmal fließendes Wasser haben, sondern sich in einer Plastikschüssel waschen! Daß die riesigen Ehebetten und die vier Schränke das ganze Zimmer ausfüllen und daß unter den Betten hundert alte Schachteln und Koffer und Kisten stehen.

"Stellen Sie sich vor", hat sie gesagt, "in dem winzigen Zimmer steht noch ein kleiner Tisch. Und auf dem ist ein riesiger Strauß mit schweinsrosa Plastikrosen!"

Die Ilse saß neben der Mama, als die Mama das lachend erzählte. Die Ilse bekam ganz schmale Augen. Sie kann, wenn sie böse wird, wie eine Katze schauen. Doch die Mama merkte nicht, daß die Ilse den Katzenblick hatte. Sie drehte sich zu ihr und fragte: "Oder haben sie jetzt keine Plastikrosen mehr?"

"Geh hin und schau dir's an, wenn's dich interessiert!" fauchte die Ilse, stand auf und lief aus dem Zimmer.

Die Mama sah ihr erstaunt nach, und der Besuch sagte, Mädchen in einem gewissen Alter seien eben schwierig.

Dann wollte die Mama mich fragen. Und ich hätte ihr auch gesagt, daß die Oma die Plastikrosen gegen Plastiknelken vertauscht hat, aber bevor ich antworten konnte, rief der Kurt: "So hör doch auf: Lotte, verdammt noch einmal!"

Da redete die Mama schnell von etwas anderem.

 

Ich ging in unser Zimmer. Die Ilse saß am Schreibtisch und lackierte sich die Fingernägel grün. Dabei zitterte sie vor Wut und strich sich die Haut mit an. Sie sagte, die Mama geht ihr auf die Nerven." Die tut, als ob sie etwas Besseres wäre, bloß weil sie einen Mann geheiratet hat, der sechs Zimmer hat! Ich wollte die Ilse beruhigen. Ich sagte: "Du hast ja recht, aber das ist doch kein Grund, daß du dich so aufregst!"

"Du hast ein Gemüt wie ein Fleischerhund", brüllte mich die Ilse an. Und dann brüllte sie noch eine Menge sehr ungerechter Sachen gegen mich.

 

Beim Brüllen fuchtelt die Ilse immer mit den Armen herum.

Sie stieß an die Nagellackflasche, und die Flasche kippte um. Der grüne Lack rann

über die Schreibtischplatte. Unsere Schreibtische sind ganz neu. Ich wollte nicht, daß sich die Mama über den Fleck aufregt. Ich holte den Nagellackentferner und goß ihn auf den klebrigen Fleck. Doch leider war im Entferner Azeton, und das löste die Oberfläche der Tischplatte auf.

 

"Na, jetzt ist es besser, du Trottel!" fauchte die Ilse.

Ich kann leider nie eine richtige Wut bekomme! Auch dann nicht, wenn mich jemand so ungerecht behandelt.

Ich sagte: "Reg dich nicht auf. Ich werde der Mama sagen,

daß ich schuld bin!"

"Danke, darauf steh ich nicht!" sagte die Ilse.

"Die Mama wird sich aber aufregen", rief ich. "Furchtbar aufregen!"

"Soll sie doch", sagte die Ilse. "Wenn es mir zu bunt wird, dann gehe ich!"

Ich holte einen nassen Lappen aus der Küche und wischte; die Tischplatte. Schön wurde sie nicht. "Wohin willst denn gehen?" fragte ich.

"Da gibt es tausend Möglichkeiten", sagte die Ilse. Aber es klang so, als ob sie keine einzige davon aufzählen könnte. Darum habe ich nicht weiter gefragt."

 





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