Главная Обратная связь

Дисциплины:






Situation in Österreich



 

In Österreich sind die Studiengänge weitgehend auf die Bologna-Struktur umgestellt. Die Umsetzung zielte auch auf das Nebenziel der Studienzeitverkürzung. Ähnlich wie auch in Deutschland entzündete sich heftiger Protest gegen die Arbeitsbelastung und die Verschulung der Studiengänge. So gab es eine im Oktober 2009 beginnende Besetzung des Audimax' der Universität Wien.[15] Die Besetzung wurde später auch auf andere Hochschulen ausgeweitet und gilt als Anstoß für weitere Proteste, auch in Deutschland.

 

Es gibt in Österreich Kritik an der Ökonomisierung und an der Tatsache, dass Männer deutlich häufiger als Frauen von einem Bachelor- in ein Masterstudium wechseln.[16][17]

Politikwissenschaftliche Erklärung des Bologna-Prozesses

 

Der Bologna-Prozess wird von der Politikwissenschaft als ein Phänomen der „Politikkonvergenz“ bezeichnet: Politische Lösungsfindungen eigentlich unabhängiger Nationalstaaten werden von politischen Entscheidungsträgern bewusst einander angeglichen – eine bemerkenswerte Entwicklung, weil so national souverän erarbeitete Lösungswege teilweise radikale Änderungen erfahren. Erklärbar wird eine solche Entwicklung durch verschiedene Faktoren, die Staaten dazu zwingen können, ihre nationalen Politiken einander anzugleichen.

 

Der erste von drei wichtigen Faktoren ist der Ablauf des Bologna-Prozesses im Rahmen der Europäischen Einigung. Das bewirkt eine internationale Harmonisierung, hervorgerufen beispielsweise durch wechselseitige Abhängigkeiten, auch im Bildungsbereich. Zweitens führt ein Regulierungswettbewerb zur Implementierung des Bologna-Prozesses: Die teilnehmenden Staaten wollen so verhindern, im internationalen Bildungswettbewerb einerseits Prestige und andererseits kompetente potenzielle Studierende zu verlieren. Drittens hat transnationale Kommunikation, beispielsweise über international angelegte Studien wie die Bildungsberichte der OECD, den Einigungsprozess im Hochschulfeld beschleunigt.

Kritik

 

Sowohl große Studentenorganisationen und Verbände wie auch Verantwortliche der Hochschulen und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie die Humboldt-Gesellschaft üben teilweise heftige Kritik am Bologna-Prozess.[19][20] Diese reicht von der Kritik an einzelnen Umsetzungsproblemen bis zur gänzlichen Ablehnung des Prozesses.

 

Rund drei Jahre nach Einführung des Bachelor/Master-Systems häufen sich Anzeichen von Überforderung und Stress bei Bachelorstudenten. Dies führt dazu, dass immer mehr Studierende auch von Burn Out und Depression betroffen sind.[21] Auch die Gefahr sozialer Selektion durch den erhöhten Druck auf Werkstudenten wird von verschiedenen Beratungsstellen und Universitätspsychologen kritisiert.



 

Von zahlreichen Beteiligten wie den Studentenorganisationen werden in der Regel nicht die Ziele des Bologna-Prozesses (zum Beispiel Mobilität, Strukturierung des Studiums, Berufsqualifizierung), sondern die Art der Umsetzung durch die Hochschulen und die Nationale Bologna Follow-Up Group kritisiert. Insbesondere detaillierte Umstrukturierungsmaßnahmen der Universitäten werden oftmals als durch den Bologna-Prozess vorgegeben begründet, obwohl dieser nur grobe Rahmenvorgaben macht.

 

So wird an manchen Universitäten der Lehrstoff eines vierjährigen Magister-Abschlusses in einen dreijährigen Bachelor komprimiert, was zu Arbeitsüberlastung und Frust führt. Dem wird entgegengehalten, dass gerade die Modularisierung und das Creditpoints-System erstmals auch die Vor- und Nachbereitungszeit berücksichtigen, anstatt nur die Präsenzzeit vor Ort in Semesterwochenstunden. Wenn Dozenten den von der Hochschule zu erarbeitenden Zeitumfang nicht einhalten, könne das nicht als Kritik am Bologna-Prozess gewertet werden.

 

Ein großer Teil der Arbeitsüberlastung resultiert daraus, dass nach der Umsetzung des Bologna-Prozesses die Prüfungen studienbegleitend erfolgen. Erforderten frühere Diplom- und Magisterstudiengänge z. T. nur ein bis zwei Prüfungen pro Semester, so wurde nach der Bologna-Reform teilweise jede einzelne Lehrveranstaltung mit einer Prüfung abgeschlossen, wobei die Hochschullehrer dazu neigten, die gleichen quantitativen und qualitativen Anforderungen an diese Prüfungsleistungen zu stellen wie vorher. Bei zehn Lehrveranstaltungen à zwei SWS (Semesterwochenstunden) konnte dies im Extremfall auf zehn Einzelprüfungen hinauslaufen, die sich am Semesterende auch noch kumulierten. Die bundesweiten Studentenproteste vom Herbst 2009 haben die KMK dazu veranlasst, zukünftig nur noch eine Prüfung pro Modul vorzusehen, um die Prüfungsbelastung der Studierenden zu verringern.

 

Karl-Otto Edel kritisierte u. a. im 2009 erschienenen Bologna-Schwarzbuch, dass Bologna insgesamt verfehlt ist und plädiert mit vielfältigen Argumenten für die Beibehaltung des deutschen Studiensystems.

 

Junge Nachwuchswissenschaftler wollen Bologna nicht rückgängig machen, fordern aber eine Reform der Reform. So wollen sie u.a. einen freien Zugang zu Masterstudiengängen. Die Bachelor-Abschlussnote könne hierfür nicht alleiniges Kritierium sein. Denn dadurch gebe es eine soziale Selektion.

 

Auch im Bereich der Theologie wird der Bologna-Prozess stark kritisiert: Insbesondere die Modularisierung des Studiums wird von vielen Studierenden abgelehnt. Der Theologe Marius Reiser hat inzwischen aus Protest gegen den Bologna-Prozess seine Professur an der Universität Mainz niedergelegt. Einzelne Theologen bringen auch eher konstruktive Kritik zu Bologna ein.

 

Außerdem wird unter anderem vorgebracht, dass

 

der Prozess demokratisch ungenügend legitimiert sei, da an seiner Ausarbeitung und Durchführung hauptsächlich exekutive Organe der einzelnen Nationalstaaten beteiligt sind, während die legislativen Organe nicht oder erst nach vollendeten Tatsachen dazu beraten konnten.

der auf drei Jahre verkürzte Bachelor-Studiengang zu einem geringeren Qualifikationsniveau und zu einem weniger praktischen und berufsqualifizierenden Abschluss führe (zum Beispiel durch den Wegfall von Praxissemestern und Auslandsaufenthalten).

den Studierenden durch die gestraffte Ausbildungsform und die zumeist vorgegebenen Lehrinhalte die Möglichkeit genommen werde, eigene Interessenschwerpunkte herauszuarbeiten und sich wissenschaftlich experimentell einzubringen.

innerhalb des Prozesses das Studium zu stark auf rein wirtschaftliche und berufsbezogene Kriterien reduziert werde. Statt einer umfassenden Bildung in der Tradition des Humboldtschen Bildungsideals stünden ausschließlich die Arbeitsmarktqualifikation und die ökonomischen Interessen des Marktes im Vordergrund.

insbesondere auch in den deutschsprachigen Ländern mit ihrer traditionell starken Berufsbildung der Bologna-Prozess die Universitäten in Konkurrenz zum berufsgerichteten Teil des dualen Bildungssystems bringe, was letztlich für beide Teile negative Auswirkungen habe.

die zur erfolgreichen Umsetzungen notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen nicht zur Verfügung gestellt würden und dadurch Bologna, statt die Hochschulen zu entlasten, vielmehr auf Kosten anderer, notwendigerer Reformen ausgeführt werde.

die Versprechungen der Deklaration (insbesondere von Mobilität) nur für einen sehr kleinen Teil der Studierenden eingelöst würden.

die sozialen Auswirkungen der Reformen, insbesondere auf die Chancengleichheit der verschiedenen sozialen Gruppen und die Gleichstellung von Frau und Mann, zu wenig berücksichtigt würden und der Prozess die Situation verschlechtere.

aufgrund der weggefallenen (FH) Kennzeichnung der Bachelor- und Master-Abschlüsse einer Fachhochschule wird eine inhaltliche Gleichstellung mit den Universitätsabschlüssen Bachelor und Master suggeriert, welche aber nur dann vorhanden ist, wenn der Studiengang akkreditiert ist. (Seit 7. Dezember 2007 wurde die inhaltliche Gleichstellung durch die Innenministerkonferenz bestätigt d. h. ein Master egal ob er an einer (Fach-)Hochschule oder Universität erworben wurde befähigt zum höheren Dienst)

 

Für das Studium der Medizin hat der Deutsche Ärztetag mehrfach die Einführung des Bachelor-/Master-Studiums in der Medizin abgelehnt. Auch die Bundesärztekammer und die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin lehnen eine solche Struktur ab. Insbesondere wird ein Qualitätsverlust in der ärztlichen Ausbildung befürchtet. Der Abschluss Bachelor of Science soll für medizinnahe Berufsbereiche qualifizieren, nicht jedoch für eine ärztliche Tätigkeit. Zu welchen Tätigkeiten der Bachelor-Abschluss genau berechtigen soll, ist bislang ungeklärt. An der Universität Oldenburg ist geplant, zum Wintersemester 2012/2013 in enger Kooperation mit der Reichsuniversität Groningen in den Niederlanden, einen Modellstudiengang Humanmedizin mit dem Abschluss Staatsexamen anzubieten und hierfür eine medizinische Fakultät, die European Medical School Oldenburg-Groningen, einzurichten. Der Wissenschaftsrat gab im November 2010 dazu eine positive Stellungnahme ab[45], die heftig kritisiert wurde.

Widerstand

ECTS-Punkte als „Jagdobjekt“ nach dem Pacman-Prinzip

 

Aus Protest gegen die Folgen des Bologna-Prozesses – insbesondere die Ökonomisierung der Bildung, die Verschulung sowie Zugangshürden für Master-Studien werden als negative Folgen auf diesen Prozess zurückgeführt (vgl. Kritik-Abschnitt) – gibt es in zahlreichen europäischen Ländern wie Frankreich, Griechenland, Deutschland und Österreich seit Jahren immer wieder Demonstrationen, Universitätsbesetzungen und auch Streiks. Die Ablehnung des Bologna-Prozesses als Ganzes oder zumindest teilweise war bei diesen Protesten, wie etwa dem Bildungsstreik 2009 oder den Studierendenprotesten in Österreich 2009, zumeist zwar nicht das einzige, aber eines der Hauptthemen.

 

Literatur

↑ The Bologna Declaration of 19 June 1999 – Joint declaration of the European Ministers of Education (pdf, auf ond.vlaanderen.be)

 

Ulf Banscherus, Annerose Gulbins, Klemens Himpele, Sonja Staack: Der Bologna-Prozess zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die europäischen Ziele und ihre Umsetzung in Deutschland. Eine Expertise im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung, GEW, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-939470-42-7, (PDF 116 Seiten, 759 KB).

Jana Bektchieva: Die europäische Bildungspolitik nach Maastricht. Lit, Münster 2004, ISBN 978-3-8258-7077-5 (In: Zur Zukunft Europas, Band 4)

Georg Bollenbeck (Hrsg.): Der Bologna-Prozess und die Veränderung der Hochschullandschaft. Synchron, Heidelberg 2007. ISBN 978-3-939381-04-4.

European University Association: EUA Bologna handbook. “Making Bologna Work“ basic edition including CD-ROM. J. Raabe, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8183-0209-2.

Werner Fiedler, Eike Hebecker: Promovieren in Europa. Strukturen, Status und Perspektiven im Bologna-Prozess. Budrich 2006, ISBN 3-86649-026-7

Hans Rainer Friedrich: Neuere Entwicklungen und Perspektiven des Bologna-Prozesses. Wittenberg 2002 (HoF-Arbeitsberichte, 4’02), ISBN 3-9806701-6-3

Anke Hanft, Isabel Müskens (Hrsg.): Bologna und die Folgen für die Hochschule. Wiesbaden 2005, ISBN 3-937026-33-9

Hochschulrektorenkonferenz: Bologna in der Praxis. Erfahrungen aus den Hochschulen. Bertelsmann, Bielefeld 2008. ISBN 978-3-7639-3578-9

Hajo Köppen: Der Bologna-Prozess – Auswirkungen auf die Hochschulen am Beispiel der Fachhochschule Gießen-Friedberg. In: Europa, aktuelle Aspekte und Entwicklungen, herausgegeben von Friedrich-Karl Feyerabend und Robert Malzacher, Gießen, Dezember 2006.

Michael Leszczensky, Andrä Wolter (Hrsg.): Der Bologna-Prozess im Spiegel der HIS-Hochschulforschung. Hannover 2005, Kostenloser Download (PDF)

Jens Maeße: Die vielen Stimmen des Bologna-Prozesses. Zur diskursiven Logik eines bildungspolitischen Programms. transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1322-3 transcript-verlag.de

Franziska Muche: Opening up to the Wider World. Bonn 2005, ISBN 3-932306-67-8

Alexander-Kenneth Nagel: Der Bologna-Prozess als Politiknetzwerk. Akteure, Beziehungen, Perspektiven. Wiesbaden 2006, ISBN 3-8350-6046-5

Sigrun Nickel (Hrsg.): Der Bologna-Prozess aus Sicht der Hochschulforschung. Analysen und Impulse für die Praxis. Im Auftrag des BMBF, Gütersloh 2011, ISBN 978-3-941927-18-6 online als pdf auf www.che.de

Stefanie Schwarz-Hahn, Meike Rehburg: BACHELOR und MASTER in Deutschland. Empirische Befunde zur Studienstrukturreform. Münster [u. a.] 2004, ISBN 3-8309-1370-2

Thomas Walter: Der Bologna-Prozess. Ein Wendepunkt europäischer Hochschulpolitik? Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-15322-6

↑ http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10345-10.pdf





sdamzavas.net - 2020 год. Все права принадлежат их авторам! В случае нарушение авторского права, обращайтесь по форме обратной связи...