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Auffassungen des Sprachstils



In der wissenschaftlichen Stilistik bestehen unterschiedliche Auffassungen über das Wesen des Sprachstils und damit über den Gegenstand und die Ziele und Methoden der Stilforschung. Im folgenden werden diese unterschiedlichen Auffassungen zum Sprachstil zusammengestellt. Eine solche Übersicht erscheint sinnvoll, um die mit dem Stilbegriff verbundene Problematik einsichtig zu machen.

 

Stil als sprachlicher Schmuck

Die Auffassung des Sprachstils als Schmuck, den man der menschlichen Rede verleiht, ist sehr alt. Wir wissen nicht, wann Menschen zum ersten Mal ihren Sprachausdruck durch bestimmte Formen der Abweichung vom bloß kommunikativen Sprachgebrauch zu verschönern suchten, etwa durch rhythmische

Wiederholungen, Ausdruckswechsel, ungewöhnliche Wortstellungen, Sprachbilder, Wörter und Klänge, um ihren Aussagen größere Wirkung zu verleihen. Solche sprachlichen Schmuckformen sind jedenfalls viel älter als die Lehren über bewusste Sprachgestaltung, wie sie uns seit den griechischen Sophisten im 5. Jh. v. Chr. erstmals überliefert sind.

 

Die Rhetorik wurde seit dem 5. Jh. in Griechenland schulmäßig betrieben und berufsmäßig gelehrt. Der geschulte Redner konnte – modern gesprochen – als Journalist, Politiker und Rechtsanwalt in der Öffentlichkeit Einfluss, Macht und Reichtum gewinnen. Von den fünf Teilen der Redevorbereitung: l. Inventio (Stoffsammlung), 2. Dispositio (Stoffordnung), 3. Elocutio (sprachliche Formulierung), 4. Memoria (Einprägung der Rede), 5.Pronuntiatio (Vortrag), hatte die »Elocutio« mit der Formulierung zugleich die Stilisierung des Gesagten zu übernehmen, das heißt, die Ausschmückung der vorgebrachten Gedanken mit den Stilfiguren und »Tropen« (Wortfiguren und Gedankenfiguren als Stilmittel), wie sie für den jeweiligen, vom rhetorischen Verwendungszweck abhängigen Stil (stilus, genus dicendi) zulässig und notwendig waren.

 

Da die Rhetorik allmählich immer mehr in der Poetik aufging, kam es dazu, dass schließlich nur noch poetischen Texten Stilcharakter zugesprochen wurde. Drei Aspekte dieses rhetorischen Stilbegriffs sind außerhalb der Rhetorik in neueren Stilauffassungen aufgegriffen worden und werden, unterschiedlich stark akzentuiert, darin besonders hervorgehoben: 1. die Auffassung vom Stil als dem Ergebnis einer bewussten Sprachgestaltung, 2. die Auffassung von der Existenz bestimmter Stilmittel, die gegenüber der gewöhnlichen Redeweise verfremdend wirken, und 3. die Ausrichtung des Stils nach bestimmten Redezwecken.



 

Stil als individuelle Eigenart des Sprachausdrucks

Die Vorstellung vom Sprachstil kann sich auf einen vorhandenen Text als solchen

wie auf die sprachliche Ausdrucksweise des jeweiligen Verfassers beziehen.

 

Die Genialität eines Autors erschien nun nicht mehr als das Ergebnis eines Lernprozesses, sondern als Ausdruck der inneren Natur, der dichterischen Veranlagung; der Stil der Dichtungen, Briefe, Reden war Zeugnis der individuellen Eigenart. Diese Auffassung vom Individual- oder Personalstil wurde zur Grundlage einer weitgespannten literaturwissenschaftlichen Stilforschung, die die stilistischen Eigenarten der verschiedenen Dichter herauszustellen sucht.

 

Stil als Spiegelung psychischen Erlebens

Von den Vertretern der psychologischen Stilistik wurde das Wesen des dichterischen Stils zumeist in der sprachlichen Aktualisierung, d.h. in der Benutzung von Wörtern u.ä. als Hervorhebung von seelischen Werten gesehen, die ihrerseits beim Leser oder Hörer bestimmte emotionale, gemüthafte Wirkungen zeitigen sollten.

 

Allen psychologischen Richtungen der Stilistik ist gemeinsam, dass sich ihr Stilbegriff vor allem auf das ästhetisch wirksame Kunstwerk bezieht und dass Stil

dabei nur als Spiegelung bestimmter seelischer Vorgänge des Autors oder als psychische Wirkungskomponente für den Hörer oder Leser aufgefasst wird.

 

Stil als Abweichung von einer Norm

Wiederholt wird heute die Auffassung vertreten, dass sich sprachlicher Stil nur in

Abweichungen von einer sprachlichen Gebrauchsnorm äußert. Diese Ansicht ist nicht neu, liegt sie doch bereits den rhetorischen Figuren und Tropen zugrunde, die als verfremdende Entfernung vom normalen Sprachgebrauch aufgefasst wurden.

 

Stil als funktionale Redeweise

Innerhalb der funktional ausgerichteten Stilistik wird unter Stil »ein System der Ausdrucksgestaltung, der Verwendungsweise der sprachlichen Möglichkeiten« oder einfacher: »eine zweckmäßig gestaltete Sprache« verstanden. Dabei wird vorausgesetzt (und durch Stilanalysen bewiesen), dass in bestimmten Bereichen der Sprachverwendung bestimmte charakteristische Stilmerkmale dominieren, z.B. die Neigung zu sprachlichen Abstraktumsbildungen im Stil der Wissenschaft.

Die russische Germanistin E. Riesel konstatiert für die deutsche Sprache fünf verschiedene funktionale Stile: l. den Stil des öffentlichen Verkehrs, 2. den Stil der

Wissenschaft, 3. den Stil der Publizistik und der Presse, 4. den Stil des Alltagsverkehrs, 5. den Stil der schönen Literatur

 

Die funktionale Stilistik greift den bereits in der antiken Rhetorik gültigen Grundsatz auf, dass unterschiedliche Redezwecke auch unterschiedliche stilistische

Anforderungen bedingen.

 





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